1. Konsensus zu basalen Implantaten (Version 3, 2015)
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1. Konsensus zu basalen Implantaten

(Version 3, Mai 2015)

Aufgrund der Weiterentwicklung der Medizinprodukte und der Operationstechniken sowie im Hinblick auf Neuerungen in der Nomenklatur, wurde durch die Internationale Implantatstiftung der „Konsensus zu BOI“ (Ver1:1999; Ver2: 2006) überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht. Somit wird hiermit der 3. Konsensus zu basalen Implantaten der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Copyright: Internationale Implantatstiftung, München, 2015.

Definition

Laterale basale Kieferimplantate übertragen die Kaukraft  auf den kortikalen Knochen über und unter einer oder mehrerer horizontaler Scheiben oder Ringe.
Basale Schraubenimplantate (z.B. Bi-Kortikalschrauben, BCS) gehören nach dieser Definition ebenfalls zu den basalen Implantaten, wenn sie in der 2. oder 3. Kortikalis verankert sind und in resorptionsstabile Knochenareale eingebracht werden.
Aktive biologische Osseointegration entlang der vertikalen Implantatachse ist für das Funktionieren dieser Implantate nicht erforderlich.

Dieser Konsensus betrifft Implantate mit vollständig polierter/maschinierter Oberfläche, auch wenn Kombinationsimplantate in diesem Konsensus erwähnt sind.

Klassifikation basaler Implantate

Beschreibung Design Modus der Integration Type der Osteotomie
Laterale Basale Implantate Kraftübertragungsflächen sind zur Übertragung der Kraft auf die Kortikalis bestimmt.;
Dünne, polierte vertikale Implantatanteile .
Elastisches Implantatdesign
  1. Duale Integration im Bereich der kraftübertragenden Scheiben
  2. Allmähliche Integration entlang der sonstigen vertikalen Implantatanteile
T-förmig, lateral, bikortical
Schraubbare basale Implantate Polierte, schneidende apikale Gewinde;
dünne, polierte vertikale Implantatanteile .
Elastisches Implantatdesign.
  1. Osseofixation der kraftübertragenden Gewinde.
Allmähliche Integration entlang der sonstigen vertikalen Implantatanteile
Crestal, trans-kortical
Kombinations-Implantate Polierte, schneidende apikale Gewinde;
Kompressionsgewinde entlang der vertikalen Achse des Implantats.
Steifes Implantatdesign.
  1. Osseofixation der kraftübertragenden Gewinde.
  2. Kompression des spongiösen Knochens entlang der vertikalen Implantatachse.
Crestal, trans-kortical

Autorisation/Einweisung/Nachschulung

Im allgemeinen reichen auch umfangreiche Erfahrungen mit crestalen Implantatsystemen (2-phasige Implantate) nicht aus, um basale Implantate bedienen zu können. Deswegen ist
eine Produkteinweisung (Autorisation) und fortwährende Nachschulung auch über hinweg Jahre nötig, um den sicheren und optimalen Umgang und mit diesen Medizinprodukten zu gewährleisten.

Ausbildung

Die Ausbildung von Basalimplantologen erfolgt ausschliesslich durch autorisierte Lehrer mit gültigem Lehrerzertifikat.

Gutachterwesen

Gutachter, die Fälle zu beurteilen haben bei denen basale Implantate involviert sind (Kostenerstattungsfälle, Haftpflicht-Fälle), müssen über eine mehrjährige Autorisation für basale Implantate verfügen, und mindestens 50 komplett abgeschlossene Behandlungsfälle nachweisen, von denen 25 mindestens 5 Jahre oder älter sein müssen.

Die Präparation des Implantatbettes

Laterale basale Implantate

Es kommen für laterale Implantate sowohl Turbinen- als auch Schnell-Läufer Winkelstücke zur Anwendung.
Auch Winkelstücke mit 1:1-Übersetzung können bei mindestens 25.000 UPM und bei guter Kühlung
eingesetzt werden. Winkelstücke mit Untersetzung 1:10 oder gar 1:248 sind ungeeignet für die Knochenpräparation bei lateralen basalen Implantaten.

Schraubbare basale Implantate und Kombinationsformen

Angulierte oder gerade Winkelstücke kommtbei einer Umdrehungszahl von nicht weniger als 5000 UPM zum Einsatz.
Jegliche Implantation erfolgt unter lokaler Desinfektion z.B. mit Betatine 5%.

Kombination mit natürlichen Zähnen und crestalen Implantaten

Basale Implantate verfügen über eine konstruktive Elastizität und können mit stabilen Zähnen zu Brücken verbunden werden. Nachteilig ist die im allgemeinen kürzere Lebensdauer der verwendeten Zähne im Vergleich zu den Implantaten.
Ebenso ist eine Kombination mit zweiphasigen crestalen Implantaten möglich. Zu bedenken sind jedoch die Elastizitätsunterschiede zwischen lateralen basalen Implantaten und crestalen Implantaten. Sofern dolche Kombination geplant ist, muss im Ergebnis eine starre Konstruktion vorliegen, um Überlastungen an starren Pfeilern zu vermeiden.

Belastungsprotokolle und Sofortbelastung

Laterale und crestale basale Implantate werden im Regelfall in Sofortbelastungsprotokollen eingesetzt. Dies bedeutet, dass die prothetische Schienung durch die prothetische Konstruktion vor dem 3. postoperativen Tag erfolgen muss.
Zur Schienung werden Brücken mit Metallgerüst, direktes Laser-Weldung und unterschiedlichen Verblendungen verwendet. Neuerdings werden Compisitegerüste ohne Metallgerüst angewendet. Hierzu liegen noch keine Langzeitergebnisse vor.

Bei sehr geringem Knochenangebot ist die Sofortversorgung noch am Operationstag nötig.
Bei Kombination mit Kompressionsschrauben und beim Vorliegen von genügend Knochen um das laterale basale Implantat kann Fällen spätestens am 5. postoperativen Tag die prothetische Konstruktion mit dauerhaftem Zement eingesetzt werden.
Im distalen Oberkiefer soll die Abstützung in der 3. Kortikalis erfolgen.

Röntgenbeurteilung, Implantatlockerungen

Laterale und crestale basale Implantate können bei Überlastung eine so genannte sterile Lockerung aufweisen. Dieser Zustand ist reversibel,  sofern die Überlast rechtzeitig beseitigt wird und das knöcherne Interface zu den Kraftübertragungsarealen nicht infiziert ist. Neben der Beurteilung des einzelnen Implantats sind die Prognose und die Statik der Gesamtkonstruktion, sowie die Beurteilung des bisherigen Behandlungsverlaufes von Bedeutung.

Indikationen zur Entfernung von schraubbaren und lateralen basalen Implantaten:

  1. 1. Röntgenologisch muss eine scharf begrenzte Schwärzung um die basale Scheibe oder das gesamte apikale Gewinde des Implantats vorliegen.
  2. 2. Klinisch:
    1. Das Implantat ist vertikal beweglich ODER
    2. Es zeigen sich Zeichen einer granulierenden Entzündung um das Implantat.

Keine Indikation zur Entfernung liegt vor, wenn eine der folgenden Beobachtungen vorliegt:

  1. Knochen um die basale Platte ist von der Schwärzung röntgenologisch nicht betroffen.
  2. Von der Schwärzung sind nur Knochenareale entlang der vertikalen Implantatanteile betroffen.
  3. Schwellungen und/oder Abszesse liegen in der vestibulären, lingualen oder palatinalen Mukosa vor.
  4. Das Implantat schmerzt beim Aufbiss, es liegt jedoch keine scharf begrenzte Schwärzung der basalen Scheibe oder das basale Gewinde vor.
  5. Beim Vorliegen von kraterförmigen Einbrüchen an den vertikalen Implantatanteilen.
  6. Nur Teile des Knochens um die Scheiben zeigen Schwärzungen im Röntgenbild.
  7. Nur crestale Scheiben sind von der Schwärzung betroffen.
  8. Es liegt nur eine Beweglichkeit des Implantats zur Seite vor. (Ursache dieser Beweglichkeit können u.a. sein: (noch) fehlende Integration von vertikalen Implantatanteilen; Elastizität der Knochens im Bereich der 2. oder 3. Kortikalis; u.U. therapiebedürftiges verstärktes Remodelling im Bereich der 2. oder 3. Kortikalis.)
  9. Schraubbare basale Implantate lassen sich im Knochen drehen.

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